Mykonos hat nicht viele historische Highlights zu bieten, da die Insel über Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt war. Umso bedeutender ist die nur wenige Kilometer entfernte Nachbarinsel Delos, die heute zu den wichtigsten archäologischen Stätten Griechenlands zählt.
Da Mykonos selbst in der Nebensaison gut besucht ist, ist ein Ausflug zur geschichtsträchtigen Nachbarinsel Delos eine der wenigen Möglichkeiten, den Massen zu entfliehen.
Tom & Ella
Seit 1990 gehört die Nachbarinsel von Mykonos zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Kombination aus einer kurzweiligen Bootsfahrt entlang der Küste von Mykonos, antiken Ruinen und dem Panoramablick vom Berg Kynthos macht Delos zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Anbei geben wir dir die wichtigsten Infos für einen Besuch der Ausgrabungen auf der Insel Delos mit auf dem Weg:
#1 Was macht Delos so besonders?
Delos gilt in der griechische Mythologie als heilige Insel und Geburtsort der Götter Apollon und Artemis. Vor 2.000 Jahren war Delos ein einflussreiches Heiligtum und zugleich wirtschaftliches Machtzentrum in der Ägäis. Während der antiken Blütezeit hatten hier zehntausende Menschen ihre Heimat, mehrheitlich wohlhabende Handelsleute und Diplomaten.
Die Insel liegt außerdem im geografischen Herzen der Kykladen und genau das steckt auch im Namen: Das griechische Wort „kyklos“ bedeutet Kreis, und die umliegenden Inseln gruppieren sich tatsächlich wie ein Ring um das heilige Delos. Die Kykladen sind also buchstäblich „die Kreisenden“, benannt nach ihrer Ausrichtung auf Delos als Mittelpunkt.
Erstaunlich ist, dass das nur 3,5 km² kleine Delos einst eine blühende Handelsmetropole mit großen Marktplätzen, prächtigen Villen, mythischen Tempeln und bankartigen Gebäuden war – ein antikes Manhattan im Mittelmeer. Später nutzten die Römer Delos aufgrund der zentralen Lage als bedeutenden Sklavenmarkt. Im Mittelalter geriet Delos in Vergessenheit und diente über Jahrhunderte hinweg lediglich als Weideland.
Heute ist Delos zwar unbewohnt, aber es erwartet dich eine der größten Ausgrabungsstätten von Griechenland. Zwischen April und November erwacht das riesige Freiluftmuseum aus seinem Dornröschenschlaf, und zahlreiche geschichtsinteressierte Mykonos- Urlauber zieht es auf die nur wenige Minuten entfernte Nachbarinsel. Das Highlight der Anlage sind definitiv die Löwen von Delos, mit denen die meisten Menschen die Insel in Verbindung bringen.
• Kombitouren mit Rhenia-Badestopp
• Segeltörns mit BBQ an Bord
• Skip-the-Line Tickets möglich
#2 Anreise nach Delos
Du erreichst Delos mit Ausflugsbooten von Mykonos, Naxos und Paros. Die Ausflüge nach Delos ab Mykonos starten am alten Hafen von Mykonos-Stadt (Deliana Pier), in der Nähe der blau-weißen Kapelle Agios Nikolaos. In der Saison (April bis Oktober) verkehren täglich mehrere Schiffe zwischen 9 und 12 Uhr sowie um 17 Uhr nach Delos.
→ Was es auf Mykonos alles zu entdecken gibt, erfährst du in unserem separaten Beitrag: Mykonos Highlights
Die Überfahrt nach Delos dauert nur etwa 25 Minuten und wird vom lokalen Veranstalter Delos Tours organisiert. Der Ticketschalter befindet sich direkt am Anleger. Um am Tag des Delos-Besuchs keine Zeit mit Warten am Schalter zu verschwenden, empfiehlt es sich, das Fährticket entweder online oder einen Tag vorher am Hafen zu kaufen.
Die letzte Rückfahrt findet je nach Jahreszeit vor Sonnenuntergang statt, im Sommer spätestens um 20 Uhr. Informiere dich vor Ort am Hafen von Mykonos oder bei deinem Gastgeber über die genauen Zeiten. Das Eintrittsticket für Delos wird separat erhoben, es sei denn, du schließt dich einem organisierten Ausflug an. Du kannst auch ohne geführte Tour auf die Insel, die Fähre nach Delos kostet 25 € für Hin- und Rückfahrt.
Kosten für die Fähre nach Delos:
- Delos-Fähre Hin- und Zurück: 25 €
- Ermäßigt (6-12 Jahre): 14 €
- Kinder unter 6 Jahre: freie Fahrt
Fährzeiten Mykonos nach Delos
| Zeitraum | Wochentage | Hinfahrten (Mykonos → Delos) |
Rückfahrten (Delos → Mykonos) |
|---|---|---|---|
| 01.04.–30.11. | Täglich | 10:00 | 13:30 |
| 01.04.–30.11. | Dienstag–Sonntag | 09:00 | 12:00 |
| 01.04.–30.11. | Dienstag–Sonntag | 11:30 | 15:00 |
| Zusätzliche Fahrten (02.05.–26.10.) | |||
| 02.05.–04.09. | Täglich | 17:00 | 20:00 |
| 05.09.–19.09. | Täglich | 16:30 | 19:30 |
| 20.09.–04.10. | Täglich | 16:00 | 19:00 |
| 05.10.–14.10. | Täglich | 15:30 | 18:30 |
| 15.10.–26.10. | Täglich | 15:00 | 18:00 |
| 01.11.–30.11. | Täglich | 10:00 | 13:30 |
Hinweis zu den Delos-Fähren: Die Fahrpläne für die Strecke Mykonos–Delos können sich wetterbedingt ändern. Die Abfahrt erfolgt stets am alten Hafen (Deliana Pier) in Mykonos-Stadt. Vom großen Fähranleger im neuen Hafen von Tourlos verkehren Taxiboote zum alten Hafen. Aktuelle Informationen findest du auf der Website von Delos Tours (delostours.gr).
#3 Eintritt und Öffnungszeiten von Delos
Delos ist zwischen dem 1. April und dem 30. November geöffnet. Die Fahrtzeiten der Boote begrenzen die Öffnungszeiten maßgeblich. In der Hauptsaison ist der Zugang zu Delos täglich von 8 bis 20 Uhr möglich. Die ersten Delos-Boote starten allerdings erst um 9 Uhr. In der Nebensaison gelten verkürzte Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr. Das Archäologische Museum von Delos, das sich auf der Insel befindet, richtet sich nach denselben Öffnungszeiten.
Bitte beachte, dass der Eintrittspreis für Delos nicht das Fährticket ab Mykonos bzw. die Rückfahrt beinhaltet. Falls du auf eigene Faust nach Delos reist, erhältst du die Tickets für die Überfahrt am Fahrkartenkiosk von Delos Tours am alten Hafen von Mykonos. Das Eintrittsticket für Delos wird erst nach der Ankunft mit der Fähre separat am Delos-Hafen an einem Ticketschalter erhoben.
Ticketpreise für Delos
- Delos-Ticket für Erwachsene: 20 €
- Delos ermäßigtes Ticket: 10 € für Senioren über 65 Jahre
- Kostenfreier Eintritt in Delos: für EU-Bürger unter 25 Jahren und Nicht-EU-Bürger unter 18 Jahren gegen Vorlage eines Ausweises
- Delos-Ticket mit Tour: Hier Ticket sichern*
Tage mit freiem Eintritt auf Delos
- 18. April (Internationaler Tag des Denkmals)
- 18. Mai (Internationaler Museumstag)
- letztes Septemberwochenende (Europäische Tage des Kulturerbes)
- 28. Oktober
- erster Sonntag im November
Öffnungszeiten von Delos
- 1. April bis 31. Oktober von 8-20 Uhr
- 1. November bis 30. November von 8-16 Uhr
Schließtage von Delos
- 1. Mai
- Ostersonntag (jährlich wechselnd)
Am Hafen von Delos und im Delos-Museum gibt es Toiletten und Getränkeautomaten. Ein Café oder eine Taverne ist auf Delos nicht vorhanden. Das Baden an den Küsten von Delos ist verboten. Des Weiteren sind Hunde auf Delos nicht gestattet. Assistenz- und Therapiehunde dürfen gegen Vorlage entsprechender Dokumente jedoch mitgeführt werden. Katzen fühlen sich auf Delos dagegen sehr wohl. 🙂
Da es auf der nahezu baumlosen Insel so gut wie keinen Schatten gibt, ist es ratsam, im Sommer Delos vormittags zu besuchen. Sonnenschutz, ausreichend Wasser und festes Schuhwerk empfehlen wir dir unbedingt, vor allem, wenn du den 112 Meter hohen Berg Kynthos mit seinen vielen Treppenstufen erklimmen willst. Mit Flipflops oder Badelatschen würden wir Delos nicht erkunden, denn es ist zu staubig und holprig. Außerdem legt man einfach zu viele Kilometer zurück.
Ist Delos im Winter geöffnet?
Nein, für normale Besucher ist die archäologische Stätte von Delos im Winter geschlossen. Zwischen Dezember und Ende März verkehren auch keine regulären Fähren von Mykonos nach Delos, da der Ausflugsbetrieb saisonal eingestellt wird. In seltenen Fällen ist ein Besuch von Delos im Winter aus journalistischen oder archäologischen Gründen möglich. Dafür ist jedoch eine vorab organisierte Sondergenehmigung erforderlich.
Während der Winterpause finden außerdem regelmäßig archäologische Arbeiten, Restaurierungen und Instandhaltungsmaßnahmen statt, die in der Hauptsaison aufgrund der vielen Besucher nicht möglich wären. Ab 1. April kannst du Delos besuchen, die Ausflugsboote nehmen dann ihren Betrieb wieder auf. Es gelten die offiziellen Öffnungszeiten, die du auf der Website des griechischen Kulturministeriums odysseus.culture.gr findest.
Eintritt: 20 €, ermäßigt 10 € (inkl. Museum, exkl. Fährticket)
Fährticket: 25 €, ermäßigt 14 € (Kinder unter 6 Jahre frei)
Höchster Berg: Kynthos, 112 m
Für wen interessant: Archäologie-Interessierte, Fotoenthusiasten, Mythologie-Fans
Dauer eines Besuchs: ca. 2–3 Stunden, inkl. Museum und Besteigung des Kynthos
#4 Touren nach Delos
Delos ist fest verankert im Mykonos-Reiseprogramm und so verkehren täglich mehrere Ausflugsschiffe zur Nachbarinsel. Geführte Touren nach Delos beginnen ab 79 € und empfehlen sich für alle, die nicht viel selbst organisieren wollen. Die Touren werden in verschiedenen Sprachen angeboten und vermitteln gut die Geschichte der Anlage. Alternativ lohnt sich auch ein exklusiver Segelausflug nach Delos mit Mittags-BBQ und Badestopp bei der Nachbarinsel Rinia.
Bei unserem Partner GetYourGuide* kannst du geführte Aktivitäten zur Insel Delos buchen:
➲ Zur klassischen Halbtag-Tour*
➲ Zur geführten Tour am Abend*
➲ Zur Mini-Kreuzfahrt inkl. Rhenia*
Geführte Halbtages-Tour nach Delos 2026
- Preis Erwachsene: ab 79 €
- Preis Kinder 6–12 Jahre: ab 30 €
- Kind unter 6 Jahre: oft frei
- Inklusive: Bootsfahrt Hin & Rück, Eintritt Delos & Museum, Zertifizierte Führung, Wireless-Guide-System, Skip the Line am Eingang
Geführte Delos-Touren Sprache:
- Englisch: täglich 10:00 (ab 01.04.) & 17:00 (ab Mai)
- Französisch: Sonntag & Donnerstag 10:00 (ab 05.04.)
- Italienisch: Mittwoch 11:30 (ab Mitte Mai)
- Spanisch: Dienstag 11:30 (ab Mitte Mai)
- Deutsch & Russisch: nur privat buchbar
Selbstgeführte Audio-Tour für Delos:
- 15 € (eigenes Smartphone vorausgesetzt)
#5 Rundgang durch Delos
Das Ausgrabungsgelände von Delos erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer. Für einen umfassenden Rundgang solltest du mindestens 2 bis 3 Stunden einplanen. Die Hauptwege sind gut ausgeschildert und es gibt überall Informationen zu den Stationen in Englisch. Dennoch empfehlen wir einen Tourguide für Delos oder zumindest einen Audioguide, um die Bedeutung der einzelnen Gebäude zu verstehen. Dein Ticket für Delos mit Guide kannst du über unseren Partner GetYourGuide* buchen:
Auf Delos gibt es keine Zwangsführung, obwohl Pfeile die Orientierung auf der Anlage erleichtern und einen Lauffluss für die Besucher vorgeben. Nach unserer Ankunft sind wir gleich nach rechts gegangen, in Richtung antikes Theater, und dann weiter den Berg Kynthos hinauf. Die geführten Gruppen gehen meist in die entgegengesetzte Richtung, sodass wir den ersten Teil relativ ungestört genießen konnten.
Heiliger Hafen und Agora
Dein Rundgang durch Delos beginnt am Hafen, wo die Boote aus Mykonos anlegen. Hier befand sich auch der antike Hafen von Delos. Nachdem du dein Delos-Ticket am Schalter erworben hast, gelangst du zur weitläufigen Agora der Competaliasten, einem großen Marktplatz, der einst von riesigen Säulenhallen (Stoa) umgeben war. Auf diesem Platz trafen sich Händler aus dem Mittelmeerraum, um ihre Waren zu verkaufen.
Löwen von Delos
Eines der berühmtesten Wahrzeichen der Insel sind die Marmorstatuen der Löwen von Delos im westlichen Teil der Anlage. Ursprünglich standen hier vermutlich 9 bis 16 lebensgroße Löwenskulpturen, die den Heiligen See bewachten. Sie wurden im 7. Jahrhundert v. Chr. von den Bewohnern der Kykladeninsel Naxos gestiftet. Heute sind noch fünf Marmorstatuen übrig, wovon eine nur noch ein Stumpf ist.
Die Delos-Löwen thronen auf niedrigen Sockeln und blicken majestätisch in Richtung des ehemaligen Heiligen Sees. Ihre Präsenz verleiht der Ausgrabungsstätte eine durchaus mystische Atmosphäre. Die originalen Marmorlöwen befinden sich heute übrigens im Delos-Museum, um sie vor der Witterung zu schützen. Die Exemplare vor Ort sind Repliken, aber definitiv das Fotomotiv Nr. 1 auf Delos.
Heiliger See
Der Heilige See (griech. Limni) bzw. Sacred Lake ist heute ausgetrocknet, war aber in der Antike ein mit Wasser gefülltes Reservoir. Hier soll laut Mythologie die Göttin Leto unter einer Palme ihre Zwillinge Apollon und Artemis geboren haben. Aufgrund dieses Umstands war der See das spirituelle Zentrum der Insel und wurde von den Griechen als heilig verehrt.
Um eine Malaria-Epidemie einzudämmen, mussten der See und das umliegende Sumpfgebiet in den 1920er Jahren ausgetrocknet werden. Nur nach starken Niederschlägen im Frühjahr steht noch etwas Wasser im See, in dem einige Pflanzen und kleine Bäume wachsen. Im Inneren des Biotops befindet sich eine symbolische Palme als Geburtsort der Zwillingsgötter, die bei unserem Besuch leider etwas verkümmert aussah.
Tempel des Apollon
Das Heiligtum des Apollon war das religiöse Zentrum von Delos. Hier standen gleich mehrere Tempel, von denen heute nur noch die Fundamente erhalten sind. Der größte Tempel, der sogenannte Große Tempel des Apollon, wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. erbaut und beherbergte eine monumentale Statue des Gottes. Heute ist von dem einstigen Prachtbau nicht mehr viel zu erkennen, es gleicht einem chaotischen Trümmerfeld. Nur die Sockelmauern lassen die ursprünglichen Dimensionen erahnen.
Neben dem Apollon-Tempel findest du auch Heiligtümer für andere Götter, darunter Artemis, Dionysos und sogar ägyptische Gottheiten wie Isis und Serapis. Sie sind alle ein Zeugnis der multikulturellen Bevölkerung des antiken Delos. Übrigens war es bei unserem Besuch sehr amüsant, dass einige Katzen die schattenspendenden Marmorblöcke nutzten, um ihre Siesta zu machen. Für unsere Tochter waren die Samtpfoten definitiv das Highlight der gesamten Anlage.
Theaterviertel & Häuser der Reichen
Im südlichen Teil der Insel liegt das Wohnviertel der wohlhabenden Händler und Diplomaten. Hier findest du prächtige Herrenhäuser mit spektakulären Mosaikböden von Delos, die zu den schönsten der gesamten Antike zählen. Besonders beeindruckend sind das Haus der Masken, das Haus der Delphine und das Haus des Dionysos.
Die Mosaike zeigen mythologische Szenen, geometrische Muster und Tierdarstellungen in leuchtenden Farben. Trotz ihres Alters von über 2.000 Jahren sind viele Details noch erstaunlich gut erhalten. Die umliegenden Häuser hatten teilweise mehrere Stockwerke, innenliegende Höfe mit Säulengängen und aufwendige Wasserleitungen. Auch wenn heute nicht mehr viel davon erhalten ist, hat es uns doch an Akrotiri auf Santorini erinnert.
Antikes Theater
Oberhalb der Wohnviertel liegt das gut erhaltene antike Theater von Delos, das Platz für etwa 5.500 Zuschauer bot. Von den oberen Sitzreihen aus hast du einen fantastischen Blick über die gesamte Ausgrabungsstätte sowie über das Meer zur Nachbarinsel Rhina. In der Antike wurden Theater vor allem für Aufführungen zu Ehren des Gottes Dionysos genutzt, dem Gott des Weins, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns, der Freude und der Ekstase.
Tempel der Isis
Vom Theater aus führt der Weg weiter hinauf zum Isis-Tempel von Delos, einem der ungewöhnlichsten Bauwerke der gesamten Anlage. Isis war keine griechische, sondern eine ägyptische Göttin, die für Fruchtbarkeit, Natur und Seefahrer stand. Dass ihr auf der griechischen Apollon-Insel ein eigener Tempel gewidmet wurde, zeigt, wie international und weltoffen Delos in seiner Blütezeit war.
Händler aus Ägypten, Syrien und dem gesamten Mittelmeerraum brachten ihre Götter auf ihren Reisen mit, und die Delier ließen sie gewähren. Der Tempel wurde um 135 v. Chr. von den Athenern erneuert und ist noch heute vergleichsweise gut erhalten, sodass er ein tolles Fotomotiv bietet. Von hier aus führt der Weg entweder direkt hinauf zum Berg Kynthos oder leicht hangabwärts gen Norden zum Delos-Museum.
Berg Kynthos
Wer nach all dem Sightseeing noch nicht müde ist, kann über einen steilen Pfad auf den Berg Kynthos (112 m) wandern und ein grandioses Panorama der Stätte sowie der benachbarten Kykladeninseln genießen. Der Aufstieg erfolgt hauptsächlich über die uralten, originalgetreu erhaltenen Steintreppen. Der etwa 700 Meter lange Pilgerpfad ist mit durchschnittlich 15 Prozent Steigung anspruchsvoll, aber in knapp 10 Minuten machbar.
Auf dem Gipfel befinden sich die spärlichen Ruinen eines Heiligtums für Zeus und Athena. Die Aussicht ist beeindruckend: Du blickst über die gesamte Ausgrabungsstätte hinweg und siehst die direkten Nachbarn Mykonos und Rhenia. Bei guter Sicht kannst du sogar Tinos, Syros, Naxos, Paros und weitere Inseln erkennen. Die ruhige Stimmung hier oben ist besonders am späten Nachmittag magisch und steht im völligen Kontrast zur pulsierenden Nachbarinsel Mykonos.
Wir sind damals mit unserer kleinen Tochter im Alter von 3,5 Jahren die endlosen Stufen hinaufgestiegen. Sie hat jede einzelne erklommen, weil wir ihr erzählt haben, dass schon der mächtige Zeus auf dem Gipfel saß und von oben herunterschaute. Der Göttervater war zwar nicht da, aber der Ausblick hat selbst einen kleinen Menschen zum Staunen gebracht. Festes Schuhwerk ist unbedingt nötig, denn Flip-Flops oder Sandalen machen den Abstieg gefährlich.
Höhle des Cynthus
Die Höhle des Cynthus (auch Kynthos) ist ein antikes Bauwerk, das teilweise natürlich und teilweise künstlich ist. Sie liegt unterhalb des Berges Kynthos und die meisten Besucher von Delos gehen an der Höhle vorbei, da sie nur über einen unscheinbaren Pfad zu erreichen ist. Sie wurde aus massiven Granitplatten gebaut und verfügt über eine Grotte am felsigen Hang. Dort soll früher eine Statue des Helden Herakles (Sohn des Zeus) gestanden haben.
Praktische Tipps für deinen Delos-Besuch
Auf der Insel Delos gibt es kaum Schatten und keine Einkehrmöglichkeiten. Es sind lediglich Getränkeautomaten mit Softdrinks und Toiletten vorhanden. Bringe daher unbedingt ausreichend Wasser, ein paar Snacks, Sonnenschutz bzw. einen Hut und festes Schuhwerk mit. Die Wege sind teilweise uneben und steinig und dürfen aufgrund ihres ursprünglichen Charakters nicht „verbessert“ werden.
Besonders zu empfehlen ist ein Besuch auf Delos im Frühjahr (April/Mai). Dann blüht und grünt es überall auf der sonst so kargen Insel. Vielleicht steht im Heiligen See noch etwas Wasser vom letzten Regen. Da es im Hochsommer sehr heiß werden kann, empfehlen wir frühe Bootsfahrten (ab 9 Uhr). Bevor die Mittagshitze einsetzt, kannst du wieder nach Mykonos zurückfahren.
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Ein Ausflug nach Delos am späten Nachmittag lohnt sich im Herbst aufgrund der schönen Sonnenuntergänge und des goldenen Lichts. Plane generell genügend Zeit für Delos ein, denn die Wege auf dem Gelände sind nicht zu unterschätzen. Für den Rundgang über das Hauptgrabungsgelände und den Besuch des Museums solltest du knapp zwei Stunden einplanen.
Wenn du auch den Aufstieg zum Berg Kynthos mitnehmen möchtest, solltest du eine weitere Dreiviertelstunde einrechnen (10 Minuten rauf, 25 Minuten Verweilen, 10 Minuten runter). Wir würden behaupten, dass sich Geschichtsinteressierte gut und gerne den ganzen Tag auf Delos aufhalten können, vorausgesetzt, sie haben genügend Verpflegung dabei.
Delos mit Kindern zu besuchen, ist gut möglich. Größere Kinder können mithilfe von Hörspielen oder Büchern in die griechische Mythologie und Geschichte eingeführt werden. Um bei Kleinkindern Interesse für die staubigen Wege und umherliegenden Marmorsteine zu wecken, ist mehr Motivation nötig. Mit dem Kinderwagen ist Delos nicht zu empfehlen, da die Wege ziemlich holprig sind. Für Kinder bis vier Jahre lohnt sich eine Kraxe, vor allem für den Aufstieg auf den Berg Kynthos.
💡 Lohnt sich der Besuch von Delos? Ganz ehrlich: Delos ist nichts für jeden. Wer mit antiken Stätten wenig anfangen kann, darf diesen Ausflug getrost streichen – die Insel ist ein weitläufiges Trümmerfeld, auf dem vor allem Steine und Fundamentreste warten. Es braucht echte Fantasie und Liebe zur Geschichte, um sich vorzustellen, was hier einmal stand. Wer sich hingegen für griechische Mythologie und Antike begeistert, wird vom Geburtsort von Apollon und Artemis fasziniert sein. Kurz gesagt: Geschichtsbegeisterte und Mythologie-Fans kommen auf ihre Kosten. Alle anderen bleiben lieber auf Mykonos.
#6 Delos Museum
Am östlichen Rand, oberhalb der Hauptausgrabung, befindet sich das Archäologische Museum von Delos. Es wurde 1904 erbaut und ist eines der ältesten Museen in Griechenland. Wer die Ruinen draußen auf sich hat wirken lassen, sollte hier auf keinen Fall kehrtmachen, denn erst im Museum versteht man wirklich, was man gerade gesehen hat.
Der Eintritt ins Museum von Delos ist bereits im Ticket für die Ausgrabungsstätte enthalten. Neun Ausstellungsräume warten auf dich, und anders als man es von vielen griechischen Museen kennt, sind die Exponate hier wirklich gut erhalten und eindrucksvoll präsentiert. Sechs Räume sind allein den Skulpturen und Reliefs gewidmet, was angesichts der Fundmengen auf Delos keine Überraschung ist.
Zu Beginn deines Besuchs im Delos-Museum lohnt sich ein Blick auf das große Architekturmodell der gesamten Ausgrabungsstätte im Eingangsbereich. Es zeigt Delos zur Blütezeit der Insel und lässt die Ruinen draußen plötzlich in ganz neuem Licht erscheinen.
Gleich zu Beginn fallen die Überreste der riesigen linken Hand des Kolosses von Naxos auf. Allein diese Marmorhand vermittelt eine Vorstellung davon, wie gewaltig diese Statue einst gewesen sein muss. In den ersten beiden Sälen dominieren archaische Skulpturen aus Naxos und Paros. Viele davon sind nackte Jünglinge mit muskulösen Körpern, sogenannte Kouroi, die für die damalige Zeit typisch waren.
Das absolute Highlight sind die originalen Delos-Marmorlöwen der berühmten Löwenterrasse. Draußen auf dem Gelände stehen heute nur Kopien, die echten Originale sind hier drinnen zu bewundern und aus der Nähe noch beeindruckender als man erwartet. Sie bewachten einst den Heiligen See, den mythischen Geburtsort Apollons.
Ebenfalls sehenswert ist die Marmorgruppe des Boreas, der die athenische Prinzessin Oreithyia entführt, ein Meisterwerk attischer Kunst aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Gleich daneben die Statuen des athenischen Ehepaars Dioskurides und Kleopatra, die einst auf Delos gelebt haben und deren Statuen direkt in ihrem ehemaligen Wohnhaus gefunden wurden.
Wer sich für die hellenistische Malerei interessiert, kommt im siebten Saal auf seine Kosten. Dort sind Mosaiken und Wandmalereien aus den Privathäusern von Delos ausgestellt, darunter feine Fresken und Alltagsgegenstände, die das Leben der einstigen Handelsmetropole greifbar machen. Erst hier versteht man, wie luxuriös die Menschen auf Delos einst gewohnt haben.
Eine Vitrine birgt übrigens auch Gegenstände mit erotischen Symbolen und Phallus-Darstellungen aus dem Dionysosheiligtum, was für einige Schmunzler unter den Besuchern sorgt. Sie wurden im Stoibadeion gefunden, einer Art Dionysos-Tempel, an dessen Außenbereich sich auch heute noch marmorne Phallus-Statuen befinden.
Besonders wertvoll ist übrigens eine Elfenbeinplatte aus der Zeit um 1400 v. Chr., die einen mykenischen Krieger mit Eberzahnhelm zeigt und im Artemision (Heiligtum der Artemis) gefunden wurde. Sie ist einer der ältesten Funde der gesamten Ausgrabung.
Wie viel Zeit für das Delos-Museum einplanen?
Für das Museum solltest du mindestens 30 bis 45 Minuten einkalkulieren. Wer sich wirklich für Antike interessiert, kann hier auch locker länger als eine Stunde verbringen. Da die Gesamtzeit auf Delos durch die Fährverbindungen begrenzt ist, empfehlen wir, das Museum eher gegen Ende des Besuchs einzuplanen, wenn die Mittagshitze am stärksten ist. Die klimatisierten Räume bieten willkommene Abkühlung und Toiletten sind ebenfalls im Museum vorhanden.
#7 Geschichte der Insel Delos
Delos nimmt in der griechischen Mythologie eine ganz besondere Stellung ein. Der Legende nach wurde die Göttin Leto, schwanger von Zeus, von der eifersüchtigen Hera über das ganze Mittelmeer gejagt. Nirgends durfte sie ihre Kinder zur Welt bringen, denn Hera hatte allen Ländern und Inseln verboten, der Gebärenden Zuflucht zu gewähren.
Schließlich fand sie Rettung auf der damals noch treibenden Insel Delos, die als einzige nicht auf festem Boden verankert war und damit Heras Verbot nicht unterlag. Dort gebar sie unter einer Palme die Zwillinge Apollon und Artemis. Als Dank dafür befestigte Poseidon die bis dahin umhertreibende Insel auf vier diamantenen Säulen im Meeresboden.
💡 Zwillinge von Delos: Apollon war der Gott des Lichts, der Vernunft und der Prophezeiung, sein berühmtestes Orakel stand in Delphi. Artemis war Göttin der Jagd und des Mondes sowie Beschützerin der Frauen bei der Geburt. Der Mythos erzählt, dass Artemis als erstes der Zwillinge zur Welt kam und danach sofort ihrer Mutter half, Apollon zu gebären. Auch Apollon hatte unvorstellbare Kräfte und soll als Kleinkind bereits die riesige Schlange Python erlegt haben, die das Orakel von Delphi bewachte. Es ist den beiden Göttern Apollon und Artemis zu verdanken, dass Delos so berühmt wurde und schon sehr früh als heiliger Ort verehrt wurde.
Im 7. Jahrhundert v. Chr. entstand hier das erste große Heiligtum. Während der archaischen und klassischen Zeit pilgerten Gläubige aus der ganzen griechischen Welt nach Delos. Alle ionischen Stadtstaaten schickten feierliche Gesandtschaften mit reichen Opfergaben. Außerdem fanden hier regelmäßig die Delischen Festspiele (Delia) statt, eine Art Olympia in der Ägäis.
Die Löwen von Delos wurden schon früh als Geschenk überreicht und es entstanden immer mehr Tempel. In einem gewissen Stadium wurde Delos von den Hohepriestern als so heilig angesehen, dass weder Geburten noch Todesfälle auf ihr stattfinden durften. Wer dem Tod nahe war, wurde auf die Nachbarinsel Rinia gebracht, wo sich alle Gräber befanden.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. kam Delos unter athenischen Einfluss und diente ab 477 v. Chr. als Aufbewahrungsort der Bundeskasse des Attischen Seebundes, bis Perikles sie 454 v. Chr. nach Athen überführen ließ.
Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich Delos zu einem der wichtigsten Handelshäfen der Ägäis. Aufgrund seiner Zollfreiheit wurde die kleine Insel zu einem Knotenpunkt zwischen dem Schwarzen Meer und Alexandria sowie zwischen Kleinasien und Italien. Anfangs wurden hauptsächlich Getreide, Holz und Silber gehandelt, später kamen weitere Güter wie Glaswaren oder Marmorstatuen hinzu.
Aus den vielen Opfergaben der Pilger und den immensen Einnahmen aus dem Tempelbesitz entwickelte sich sogar eine Art Bankwesen, das Anleihen gegen Zinsen vergab. Um 130 v. Chr. lebten auf der Insel Delos schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen.
Mit dem Aufstieg Roms erlebte die Insel ihre dunkelste Stunde: Delos wurde zum größten Sklavenmarkt der Ägäis. Der antike Geograf Strabon berichtet, dass um 150 v. Chr. täglich Zehntausende Sklaven umgeschlagen wurden, vor allem Syrer, Bithyner und Kappadokier, die durch Kriege in ihre Lage geraten waren.
Im Jahr 87 v. Chr. landete der General Menophanes, ein Feldherr des Königs Mithridates, mit seinen Truppen auf der schutzlosen Insel, ermordete und versklavte die Bewohner und zerstörte die Heiligtümer. Es folgten weitere Überfälle durch Piraten, von denen sich Delos nie erholte und langsam verfiel. Im 2. Jahrhundert n. Chr. lebten hier laut dem Reiseschriftsteller Pausanias nur noch die Wächter der Heiligtümer.
In byzantinischer Zeit (ab 395 n. Chr.) war Delos schließlich völlig verlassen. Über die Jahrhunderte wurden die massiven Steine der alten Tempel schlicht als Steinbruch bzw. Baumaterial genutzt. Auf dem Gipfel des Kynthos zeugen noch heute die Überreste einer mittelalterlichen Wehrburg davon, die aus den Trümmern einst heiliger Bauwerke errichtet wurde.
Systematische Ausgrabungen begannen 1872/73 durch die Französische Archäologische Schule in Athen, die bis heute auf Delos aktiv ist. Nur ein Bruchteil der gesamten Insel wurde bisher erforscht, und dennoch wurden bereits ca. 30.000 Gefäße, Statuen und Kleingegenstände sowie 8.000 Skulpturen und 3.000 Inschriften entdeckt. Zwischen April und Oktober leben die Mitarbeiter der Stätte teilweise mit ihren Familien auf Delos.
→ Weitere Beiträge zur Insel Mykonos und zahlreiche Reisetipps für die Kykladen findest du unter:
FAQ zur Insel Delos
Was ist Delos?
Delos ist eine unbewohnte griechische Insel, die etwa 6 Kilometer von Mykonos entfernt liegt. Auf ihr befindet sich eine der bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten Griechenlands. Die nur 4,5 Kilometer lange Insel war in der Antike ein Heiligtum des Gottes Apollon sowie ein wichtiges Handelszentrum. Seit 1990 zählt Delos zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Wie komme ich nach Delos?
Du erreichst Delos mit dem Boot vom alten Hafen von Mykonos-Stadt aus. Die Überfahrt dauert weniger als 30 Minuten. Zwischen April und November fahren Boote mehrmals täglich. Die Kosten für Delos belaufen sich auf ca. 25 € für die Hin- und Rückfahrt plus 20 € Eintritt. Auch von Paros und Naxos werden Touren nach Delos angeboten.
Wie viel Zeit benötigt man für Delos?
Für die Hauptsehenswürdigkeiten von Delos, das Museum und die Besteigung des Berges Kynthos solltest du mindestens 2 bis 3 Stunden einplanen. Geschichtsinteressierte können auch vier bis fünf Stunden auf der Insel verbringen. Wichtig: Verpasse nicht die Abfahrtszeiten der Fähren nach Mykonos.
Lohnt sich ein Guide für Delos?
Ja, ein professioneller Guide für Delos lohnt sich definitiv. Ohne Erklärungen sind die vielen Ruinen nämlich nur schwer zu deuten. Ein Guide macht die Geschichte lebendig und zeigt die Zusammenhänge auf. Geführte Touren nach Delos mit Guide starten ab 79 €.
Was sind die Highlights von Delos?
Die Löwen von Delos, spektakuläre Mosaiken in den Herrenhäusern, das antike Theater, der Heilige See, die Tempel von Apollon und der Panoramablick vom Berg Kynthos sind die Highlights von Delos.
Gibt es Essen und Trinken auf Delos?
Nein, auf der Insel Delos gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Bringe für deinen Besuch unbedingt Wasser und Snacks mit. Da Schatten rar ist, solltest du deinen Sonnenschutz bzw. Hut nicht vergessen.
Wann ist die beste Zeit für Delos?
Die beste Reisezeit für Delos ist im Frühjahr (April/Mai) wegen der Blütenpracht oder im Herbst (September/Oktober) wegen des schönen Lichts. Wer im Sommer nach Delos möchte, sollte wegen der Hitze früh morgens fahren. Am späten Nachmittag ist die Stimmung besonders magisch.
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