Erst vor wenigen Jahren habe ich Griechenland als Urlaubsziel für mich entdeckt. Die Herzlichkeit der Menschen, das gute Essen, die Landschaften und Strände – das Land hat mich sofort verzaubert. Seitdem verbringe ich fast jeden Urlaub auf der griechischen Urlaubsinsel Kreta. Doch hinter der Postkartenidylle fällt schnell etwas anderes ins Auge: die vielen streunenden Hunde und Straßenkatzen in Griechenland.
Anfangs fand ich es noch fast charmant, wie Katzen in kleinen Kolonien durch die Gassen streunen, auf Motorrollern oder Autodächern liegen oder unter Tavernentischen auf Essensreste warten. Doch bei genauerem Hinsehen bereitete mir ihr Anblick zunehmend Sorgen.
Maike Becker
Viele der Straßentiere in Griechenland sind in keinem guten Zustand: abgemagert, von Parasiten befallen, mit entzündeten Augen – manchmal sogar verwundet oder verletzt. Und fast überall, wo man hinsieht, hilflose Jungtiere. Es wirkt, als würden sie sich unaufhaltsam vermehren.
Ich habe andere Urlauber beobachtet, denen es ähnlich ging wie mir – teils verzückt, teils besorgt. Manche gaben Essensreste aus der Taverne, andere hatten Trockenfutter dabei. Wieder andere rückten sichtbar zurück, wenn die Tiere ihnen zu nahe kamen.
- Straßentiere Griechenland: Ein Moment, der alles veränderte
- #1 Warum gibt es so viele Straßentiere in Griechenland?
- #2 Das Tierschutzgesetz in Griechenland und seine Grenzen
- #3 Tierschutzorganisationen Griechenland: Ihre wichtige Rolle
- #4 Wie können Urlauber Griechenlands Streunern helfen?
- #5 Straßentiere Griechenland: So kannst du nachhaltig helfen
- #6 Weitere Tierschutzprobleme in Griechenland: Esel, Pferde & Co.
Straßentiere Griechenland: Ein Moment, der alles veränderte
In meinem letzten Urlaub auf Kreta sah ich eines Abends auf dem Rückweg vom Strand ein offensichtlich verwundetes Kätzchen am Straßenrand. Ich hielt sofort an und wollte helfen. Gleichzeitig wusste ich überhaupt nicht, was ich tun sollte. Wie fängt man ein verletztes Kätzchen ein? Wohin bringt man es? Und darf man das überhaupt – oder gehört es jemandem?
Ich saß einen Moment reglos hinter dem Lenkrad, hin- und hergerissen zwischen Handlungsdrang und Unsicherheit. Schließlich lief das Kätzchen davon. Und so widersprüchlich es klingt: In diesem Moment war ich fast erleichtert.
Doch der Gedanke an das Kätzchen ließ mich nicht los. Zurück in meiner Ferienwohnung begann ich zu recherchieren und nahm Kontakt zu lokalen Tierschutzorganisationen auf. Verständnisvoll und sachlich erklärten sie mir, was man in einer solchen Situation tun kann und worauf es ankommt.
Am nächsten Tag fuhr ich also noch einmal zu der Stelle zurück – ausgerüstet mit einer geliehenen Transportbox vom örtlichen Tierarzt und ein paar Snacks zum Anlocken. Ich machte mich auf die Suche nach dem Kätzchen. Und tatsächlich: Nach einiger Zeit tauchte es wieder auf.
💡 Streuner in Griechenland: Straßentiere halten sich meist in ihrem gewohnten Umfeld oder in der Nähe ihrer Kolonie auf. Die Chancen, sie wiederzufinden, sind daher oft größer, als man zunächst denkt.
Das Einfangen war nervenaufreibend und alles andere als routiniert. Mit viel Ruhe und Geduld gelang es mir aber schließlich, das verängstigte Tier in die Box zu locken und in die nahegelegene Tierarztpraxis zu bringen. Dort erhielt es erste medizinische Hilfe.
In den folgenden Tagen stellte sich heraus, dass die Katze tatsächlich niemandem gehörte. Für mich war damit klar, dass ich sie nicht wieder auf die Straße zurücklassen wollte. Also setzte ich alle Hebel in Bewegung und fand über ein Hilfsnetzwerk bei Facebook eine Pflegestelle, auf der sie in den vergangenen Monaten weiter versorgt und behandelt werden konnte.
Schon bald darf die griechische Straßenkatze nun nach Deutschland ausreisen – wo sie von meiner Mutter adoptiert wird. Doch so viel Glück wie dieses eine Kätzchen haben leider nur sehr wenige der Tiere.
Diese Erfahrung war der Auslöser, mich intensiver mit der Situation der Straßenkatzen und -hunde in Griechenland auseinanderzusetzen. Im Austausch mit Tierschutz- Organisationen, Ehrenamtlichen und Einheimischen habe ich unterschiedliche Perspektiven kennengelernt und versucht zu verstehen, warum die Lage so ist, wie sie ist – und wie wir Urlauber sinnvoll helfen können.
In diesem Artikel findest du Hintergrundinformationen, praktische Tipps zum Füttern, einen Notfallplan für verletzte Tiere und Hinweise, wie Hilfe auch kurzfristig, aber vor allem verantwortungsvoll, möglich ist.
#1 Warum gibt es so viele Straßentiere in Griechenland?
Streunende Hunde und Katzen gehören in Griechenland seit Jahrzehnten zum alltäglichen Straßenbild. Verlässliche Zahlen gibt es kaum, doch eine Studie der Aristotle Universität Thessaloniki aus dem Jahr 2023 ergibt, dass über drei Millionen Tiere ohne Zuhause auf den Straßen des Landes leben. Die Ursachen dafür sind vielfältig und tief in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und strukturellen Faktoren verankert.
Fehlende Kastration – das Kernproblem in Griechenland
Ein zentrales Problem ist die fehlende oder unzureichende Kastration von Haustieren. Ungewollter Nachwuchs wird häufig ausgesetzt und landet schutzlos auf der Straße, wo er sich weiter unkontrolliert vermehrt.
Aus Sicht von Tierärzten und Tierschutzorganisationen ist die flächendeckende Kastration daher die wirksamste Maßnahme, um die Population nachhaltig zu begrenzen und das Tierleid langfristig zu reduzieren.
💡 Griechenland und seine Katzen: Eine unkastrierte Katze kann im Schnitt zwei Würfe pro Jahr bekommen – mit jeweils drei bis fünf Kitten. Bereits nach vier bis fünf Monaten sind die Nachkommen selbst fortpflanzungsfähig. Das bedeutet, selbst wenn nur ein Teil der Jungtiere überlebt, können aus einem einzigen Katzenpaar innerhalb weniger Jahre hunderte Nachkommen entstehen. Bei Hunden ist es ähnlich: Eine Hündin kann pro Jahr zweimal läufig werden – mit bis zu 15 Welpen pro Wurf.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren in Griechenland
Hinzu kommt die wirtschaftliche Situation in Griechenland. In Zeiten finanzieller Not – insbesondere während und nach der Finanzkrise ab 2009 sowie in den Jahren, in denen der Tourismus infolge der Flüchtlingskrise in Griechenland stark zurückging – fehlte vielen Menschen eine wichtige Einnahmequelle. In dieser Phase konnten zahlreiche Haustiere nicht mehr versorgt werden und wurden aus Verzweiflung, teils auch aus Unwissenheit, ausgesetzt.
Auch kulturelle Prägungen spielen eine Rolle. Hunde galten lange Zeit vor allem als Nutztiere zum Bewachen von Höfen, als Hüte- oder Jagdhunde. Wer nicht „brauchbar“ war, wurde ersetzt. Das ist in einigen Regionen von Griechenland auch heute noch so. Katzen dagegen werden meist geduldet, aber selten wirklich als Haustiere betrachtet. Emotionale Bindung oder Verantwortungsgefühl, wie man es aus Mitteleuropa kennt, entwickelt sich vielerorts erst langsam.
#2 Das Tierschutzgesetz in Griechenland und seine Grenzen
Mit dem Tierschutzgesetz Nr. 4830/2021 hat Griechenland sein bestehendes Tierschutzrecht im Jahr 2021 erneuert und verschärft. Das Gesetz schreibt unter anderem eine Kastrationspflicht für Haustiere, eine Mikrochip-Pflicht, ein striktes Aussetzungsverbot sowie deutlich höhere Strafen bei Tierquälerei vor. Zudem werden die Gemeinden stärker in die Verantwortung genommen, etwa bei der Organisation von Kastrationsprogrammen und der Versorgung von Straßentieren.
In der Praxis bleibt die Umsetzung jedoch häufig hinter den gesetzlichen Vorgaben zurück. Es fehlt vielerorts an Kontrollen und ausreichenden finanziellen sowie personellen Ressourcen. Nur wenige Gemeinden verfügen über funktionierende Tierheime oder langfristig angelegte Kastrationsprogramme. So liegt ein Großteil der Verantwortung weiterhin bei privaten Tierschutzinitiativen, Ehrenamtlichen und engagierten Tierärzten.
Einen guten, wenn auch leicht satirischen Einblick in das neue griechische Tierschutzgesetz erhältst du auf radio-kreta.de.
#3 Tierschutzorganisationen Griechenland: Ihre wichtige Rolle
Private, häufig internationale, Tierschutzorganisationen übernehmen in Griechenland einen wesentlichen Teil der Versorgung von Straßenkatzen und -hunden. Sie versorgen verletzte Tiere, betreuen Futterstellen, organisieren Kastrationskampagnen, leisten Aufklärungsarbeit und vermitteln Katzen und Hunde in neue Zuhause im In- und Ausland. Ihre Arbeit erfolgt ehrenamtlich und wird ausschließlich durch Spenden und Eigenmittel finanziert.
Im Rahmen meiner Rettungsaktion für das verletzte Kätzchen und der Recherchen für diesen Artikel durfte ich mehrere dieser Organisationen kennenlernen. Ihre Arbeit schätze ich sehr – stellvertretend möchte ich einige Projekte nennen, die auf Kreta aktiv sind.
Doch auch außerhalb Kretas gilt: In nahezu allen Regionen Griechenlands gibt es lokale Tierschutzinitiativen. Wer etwa auf Kos, Rhodos oder dem griechischen Festland unterwegs ist, kann dort nach lokalen Organisationen suchen – sie kennen die jeweiligen Strukturen und können am besten helfen.
Arche Noah Kreta e.V. / Tierärztepool: Ein Zusammenschluss von Tierärzten, der regelmäßig Kastrationskampagnen in weiten Teilen Griechenlands – und sogar in Rumänien und auf den Kapverden, durchführt. Durch diese Einsätze konnten seit 2014 über 137.000 Tiere kastriert werden. Zusätzlich übernimmt der Tierärztepool zahlreiche medizinische Behandlungen und Notfalleinsätze.
VOCAL (Voice of Cats Alliance): Ein gemeinnütziger Verein aus Ehrenamtlichen, der sich vor allem um Streunerkatzen in und um Agios Nikolaos sowie in Nordost-Kreta kümmert. Die Arbeit umfasst Kastrationen, medizinische Versorgung, Fütterung, Impfungen, Vermittlung und Aufklärungsarbeit. Mehr unter: Vocalcats (Facebook)
Kreta Pfötchen: Eine in Deutschland ansässige Organisation, die mit einigen wenigen privaten Pflegestellen auf Kreta arbeitet (Kein Tierheim – begrenzte Kapazitäten!). Sie vermittelt Tiere nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz und unterstützt lokale Kastrationsprojekte. Mehr unter: Kreta Pfötchen
APAL Kreta – Animal Protection and Lifeline Finikas: Dieses Projekt widmet sich insbesondere den sogenannten „Kettenhunden“. Das sind Hunde, die dauerhaft angekettet oder in Fässern gehalten werden – ohne Auslauf, Sozialkontakt oder medizinische Versorgung. Mehr unter: APAL
Zwei der größten Shelter auf Kreta, sind:
Gouves Shelter (nahe Heraklion): Betreut über 400 Hunde und Katzen. Das Shelter freut sich über freiwillige Helfer, insbesondere Urlauber mit Hundeerfahrung, die mit den Hunden spazieren gehen (auch direkt am Strand möglich). Infos unter: Gouves Shelter
Takis Shelter (Ierapetra): International bekannt, stark medial präsent und politisch aktiv. Tagesbesuche sind mit vorheriger Anmeldung möglich. Auch ehrenamtliche Hilfe ist willkommen: Takis Shelter
Alle diese Projekte sind aus persönlichem Engagement entstanden – aus Liebe zu den Tieren und zu Griechenland. Ohne sie gäbe es für unzählige Straßenkatzen und -hunde keinerlei Hilfe. Ihre Arbeit ist unverzichtbar, zugleich jedoch nicht überall willkommen.
Zwischen Engagement und Widerstand: Akzeptanz bei der Bevölkerung
Trotz ihres Einsatzes stoßen Tierschutzorganisationen nicht überall auf Verständnis. Viele Ehrenamtliche berichten, dass es Jahre dauern kann, Vertrauen in der lokalen Bevölkerung aufzubauen. Besonders das Thema Kastration sorgt immer wieder für Diskussionen. Unwissenheit, kulturelle Prägungen oder religiösen Überzeugungen können Gründe dafür sein. Viele Straßentiere werden so meist ihrem eigenen Schicksal überlassen, ohne dass jemand eingreift.
Im Sommer scheint es den Straßenkatzen und Hunden in Griechenland gut zu gehen. Die Touristen sind da, Tavernen haben geöffnet, Essensreste fallen ab, viele Tiere werden zusätzlich gefüttert. Doch mit dem Winter ändert sich alles. Tavernen schließen, Dörfer sind fast menschenleer, und für die Tiere beginnt der harte Kampf ums Überleben. Im Frühjahr zeigt sich das ganze Ausmaß: abgemagert, krank und erschöpft – zumindest jene, die den Winter überhaupt überstanden haben.
Ein griechischer Gesprächspartner verriet Tom und Ella einmal die Hintergründe aus seiner Sicht:
„Viele Menschen in Griechenland sehen das Leid der Straßentiere zwar, aber betrachten die Eingriffe des Menschen kritisch. Schon seit langer Zeit sei der Gedanke verbreitet, dass die Natur Populationen selbst regulieren müsse. So könne etwa das Zufüttern von Katzen dazu führen, dass die Zahl der Tiere stark ansteigt – und damit auch Krankheiten und Elend zunehmen.
Gleichzeitig erfüllen Katzen eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht, etwa im Kampf gegen Ratten und Kakerlaken. Aus dieser Perspektive sind menschliche Eingriffe nicht immer automatisch hilfreich, sondern können auch unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben.
Hinzu kommt, dass in Griechenland – besonders unter älteren Menschen – religiöse Überzeugungen eine Rolle spielen. Im christlich-orthodoxen Glauben gilt es für viele als problematisch, Tiere zu kastrieren. Sie sehen darin einen Eingriff in den Schöpfungsprozess und die Einschränkung eines gottgegebenen Rechts auf Fortpflanzung. Auch diese Haltung prägt daher bis heute die Wahrnehmung und Akzeptanz von Maßnahmen wie Sterilisation und Kastration im Land.“
Für viele Tierschützer ist diese Haltung schwer nachvollziehbar. So erleben sie doch immer wieder, wie unerwünschter Nachwuchs schutzlos ausgesetzt, bisweilen sogar in Mülltonnen entsorgt, und seinem Schicksal überlassen wird. Auch sei es keine Lösung die Tiere einfach verhungern zu lassen, um die Population zu stoppen. Die Situation zeigt, wie komplex das Thema in Griechenland ist.
#4 Wie können Urlauber Griechenlands Streunern helfen?
Wer in Griechenland Urlaub macht, begegnet dem Tierleid oft ganz unmittelbar: hungrige Katzen unter dem Tavernentisch, ein hinkender Hund am Straßenrand, ein einsames Kitten ohne Mutter.
Der Wunsch zu helfen ist oft groß. Gleichzeitig bleibt oft Unsicherheit: Was ist sinnvoll? Und was richtet am Ende vielleicht mehr Schaden als Nutzen an?
Hunde und Katzen in Griechenland füttern, aber richtig
Gerade beim Füttern sind viele Urlauber unschlüssig. Hilft es wirklich, wenn man nur für ein paar Tage vor Ort ist? Übernimmt man damit eine Verantwortung, die man später nicht weitertragen kann? Und woher weiß man eigentlich, ob ein Tier wirklich auf der Straße lebt – oder vielleicht doch jemandem gehört? Tierärzte und Tierschutzhelfer kennen diese Zweifel gut. Ihre Einschätzung ist aber eindeutig:
„Natürlich ist es nicht ideal, wenn man nach ein paar Tagen wieder abreist. Aber wenn ein Tier auch nur für kurze Zeit ausreichend Futter bekommt, muss es nicht im Müll nach Essensresten suchen, ist kräftiger und weniger anfällig für Parasiten“, erklärt Thomas Busch vom Tierärztepool.
Auch Max Greb von den Kreta Pfötchen betont: „Füttern ist ein gutes Zubrot – entscheidend ist, dass es verantwortungsvoll geschieht.“ Und nennt dafür ein paar einfache, aber wichtige Grundregeln:
Wasser ist das Wichtigste: In den heißen Sommermonaten ist sauberes Trinkwasser überlebenswichtig. Stellt daher immer Schalen mit frischem Wasser auf – so müssen die Tiere nicht aus dem Meer oder aus Pfützen trinken.
Kein gewürztes Essen: Gebt, wenn möglich, echtes Tierfutter aus dem Supermarkt (Trocken- oder Nassfutter). Essensreste aus der Taverne sind meist zu salzig, fettig oder stark gewürzt und auf Dauer ungesund.
Achtet auf Müll: Zerdrückt leere Dosen oder Verpackungen und entsorgt diese fachgerecht, damit sich die Tiere nicht verletzen oder – schlimmer noch – daran ersticken können.
Nicht am Hotel oder Apartment füttern: Viele Vermieter sehen das nicht gern. Besser ist ein öffentlicher und sicherer Platz – fernab von Straßenverkehr.
Nicht an oder in Tavernen füttern: Viele Katzen halten sich dort auf und viele Menschen werfen auch direkt vom Tisch etwas herunter, aber das ist von vielen Betreibern nicht gerne gesehen. Wer helfen möchte, sollte Futter abseits der Taverne an einem ruhigen, sicheren Ort anbieten.
💡 Streuner oder griechische Hauskatze? Nicht jede Katze, die bettelt, ist tatsächlich herrenlos. Beobachte das Tier eine Weile, bevor du handelst. Wer gezielt helfen möchte, unterstützt am besten bestehende Futterstellen. In vielen Regionen betreuen Organisationen oder Ehrenamtliche feste Futterplätze – oft in der Nähe von Müllcontainern. Lokale Tierschutzvereine geben gern Auskunft, wie man hier sinnvoll und nachhaltig unterstützen kann, etwa durch Futter- oder Geldspenden.
Tierquälerei in Griechenland sofort melden
Fälle von Tierquälerei, Misshandlung, Vernachlässigung oder illegalem Anketten von Tieren sollten umgehend gemeldet werden – entweder bei der Polizei oder der Meldestelle für Tierquälerei:
- Polizei-Notruf: 100
- Meldestelle für Tierquälerei: 10410
Alternativ kann auch eine örtliche Polizeiwache direkt aufgesucht werden. Wenn möglich, helfen Fotos, Videos und genaue Standortangaben bei der Anzeige.
Bitte bedenke, dass die griechische Polizei zwar für die Verfolgung von Tierquälerei zuständig ist, sich jedoch nicht um die medizinische Versorgung verletzter Streunertiere kümmert. Wir Urlauber müssen hier selbst handeln und uns um verletzte Hunde und Straßenkatzen auf den griechischen Inseln kümmern.
Hilfe für verletzte Straßentiere in Griechenland
Findest du ein angefahrenes oder offensichtlich schwer verletztes Tier, bringe es idealerweise selbst in eine nahegelegene Tierarztpraxis. Bitte verlasse dich nicht darauf, dass eine Tierschutzorganisation kommt: Die meisten Initiativen arbeiten ehrenamtlich, sind chronisch überlastet und können Notfälle meistens erst nach Stunden oder sogar Tagen übernehmen.
Eine flächendeckende Notfallnummer für verletzte Tiere gibt es in Griechenland leider nicht. Dafür sind Tierarztkosten in Griechenland zudem meist deutlich niedriger als in Deutschland. Wer also in einer akuten Situation selbst handelt, kann damit oft entscheidend dazu beitragen, Tierleben zu retten.
Notfallplan Tierhilfe in Griechenland – Schritt für Schritt:
1. Tierarzt in Griechenland suchen
Suche über Maps nach dem nächstgelegenen Tierarzt oder einer Tierklinik in der Region.
2. Tier in Sicherheit bringen
Nutze einen Karton, eine Transportbox (kann oft beim Tierarzt geliehen werden) oder ein Handtuch. Wichtig: Straßentiere sind häufig sehr ängstlich. Bringe dich nicht selbst in Gefahr. Gelingt das Einfangen nicht sofort, versuche es später erneut.
3. Zum nächsten Tierarzt bringen
Frage deinen Gastgeber oder das Hotel vor Ort nach dem nächsten Tierarzt in der Nähe. Alternativ kannst du bei Google Maps nach deiner Insel/Region suchen und dahinter „vet” oder „vet care” eingeben, z. B. „Rhodos vet care”. So erhältst du die Adressen der Tierärzte.
4. Diagnose abwarten
Entscheide gemeinsam mit dem Tierarzt, ob eine weitere Behandlung nötig ist oder das Tier wieder freigelassen werden kann. „Oft kann ein Tier nach der Behandlung wieder freigelassen werden – viele Straßentiere sind erstaunlich robust und überlebensfähig“, erklärt Tierarzt Thomas Busch vom Tierärztepool.
5. Falls du nicht selbst helfen kannst
Suche Unterstützung über lokale Facebook-Gruppen (Beispiel Kreta: Animal lovers on Crete auf Facebook) oder kontaktiere Tierschutzorganisationen in der Nähe. Mit Glück finden sich schnell Helfer vor Ort. Wichtig: Poste ein Foto, Standort-Koordinaten und eine kurze Beschreibung.
6. Weitere Versorgung des Straßentiers
Ist eine längere Behandlung nötig, lassen sich über Facebook-Gruppen häufig Pflegestellen oder andere Urlauber finden, die die weitere Versorgung übernehmen.
7. Adoption von Streunern aus Griechenland
Wenn du dich in einen Streuner „verliebst“, kannst du über die Adoption eines Hundes oder einer Straßenkatze aus Griechenland nachdenken. Beratung zu Impfungen, Ausreise und allen Formalitäten erhältst du beim Tierarzt oder über Tierschutzorganisationen vor Ort.
Was tun bei verlassenen Kitten oder Welpen?
Kitten: Bitte warte zunächst ab und beobachte die Situation eine Zeitlang aus der Ferne, denn oft ist die Mutter nur auf Futtersuche. Erst wenn du dir sicher bist, dass das Kitten allein ist, sollte unbedingt Hilfe organisiert werden: denn Jungtiere sind erst ab etwa sechs Wochen allein überlebensfähig.
Hundewelpen: Hier ist die Lage ernster, denn Welpen sind ohne Mutter nicht überlebensfähig. Suche bitte sofort Hilfe über lokale Organisationen oder Facebook-Gruppen.
Typische Krankheiten bei Straßenkatzen in Griechenland
Bei kleineren Problemen wie Milbenbefall oder Augeninfektionen kann oft schon ein Gang zur Apotheke oder zum Tierarzt helfen. Viele Medikamente sind frei erhältlich und kostengünstig. Muss eine Behandlung über deinen Urlaub hinaus fortgeführt werden, finden sich über lokale Facebook-Gruppen häufig Menschen, die die Versorgung übernehmen.
Es gibt jedoch auch Erkrankungen die ernster sind und in tierärztliche Hände gehören. Eine sehr gute Übersicht der gängigen Katzen-Krankheiten im Mittelmeerraum bietet die Organisation Cretan Cat-A-List.
💡 Ear-Tipping in Griechenland: Katzen mit einer kleinen Einkerbung oder einer abgeschnittenen Ohrspitze sind bereits kastriert. Dieses sogenannte Ear-Tipping ist ein international anerkanntes Kennzeichen und hilft Tierärzten und Tierschützern, kastrierte Tiere sofort zu erkennen. Hunde werden häufig unter dem Bauch tätowiert.
#5 Straßentiere Griechenland: So kannst du nachhaltig helfen
Trotz der vielen Herausforderungen gibt es auch Hoffnung: Die Arbeit von Tierschutzorganisationen, Ehrenamtlichen und engagierten Einheimischen zeigt Wirkung. Kastrationskampagnen, regelmäßige Futterstellen, Aufklärungsarbeit und die Versorgung der Tiere helfen, das Leid zu verringern.
Und wir können als Urlauber ebenfalls einen Beitrag leisten: Wer längerfristig und nachhaltig unterstützen möchte, hat viele Möglichkeiten, wie etwa Volunteering in Shelter-Tierheimen, Geld- oder Sachspenden, Patenschaften, Gassigehen oder Adoptionen. In nahezu allen griechischen Regionen gibt es zahlreiche Organisationen, die sich über Unterstützung freuen.
Aber auch Aufklärungsarbeit – etwa über verantwortungsvolles Füttern oder den richtigen Umgang mit Straßenkatzen und -hunden – ist unverzichtbar.
Deine Erfahrungen mit Streunern in Griechenland sind wertvoll
Warst du schon in einem Tierheim in Griechenland? Hast du Straßentiere gefüttert oder sogar einem Tier geholfen? Teile deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren ganz unten im Beitrag!
Welche Tierschutzorganisationen kannst du auf Inseln oder Festland empfehlen? Welche Tipps hast du für andere Urlauber? Wir freuen uns auf einen regen Austausch – deine Geschichte kann anderen helfen!
#6 Weitere Tierschutzprobleme in Griechenland: Esel, Pferde & Co.
Auch wenn dieser Artikel sich fast ausschließlich mit dem Leid der Straßenkatzen und zum Teil auch Hunde befasst, gibt es noch zahlreiche weitere Tierleid-Themen in Griechenland, die ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen.
Beispielsweise die Situation der Esel, Pferde und Kühe, die häufig angebunden in der prallen Sonne stehen und keinen ausreichenden Zugang zu Wasser haben. Oder das Eselreiten auf Santorini und in Lindos auf Rhodos sowie Pferde vor Kutschen sind besonders kritisch, ebenso wie Kanarienvögel in beengten Käfigen.
Gleichzeitig ist es mir wichtig, zu betonen: Ich möchte mit diesem Artikel nicht mit dem Finger auf Griechenland zeigen. Auch hierzulande gibt es ernsthafte Tierschutzprobleme, die von Massentierhaltung bis hin zu überfüllten Tierheimen reichen. Vielmehr geht es in diesem Artikel darum, praxisnahe Tipps zu geben, wie wir den Straßentieren vor Ort sinnvoll helfen können, ohne die Situation zu verschlimmern.
Weiterführende Informationen zum Thema Straßenhunde in Griechenland findest du in dieser informativen WDR-Doku:
Über die Autorin:
Ich bin Maike, 43 Jahre alt, und arbeite im Marketing für ein Medienunternehmen in Hamburg. Vor einigen Jahren habe ich Kreta für mich entdeckt und verbringe seitdem fast jeden Urlaub dort. Die Situation der Straßenkatzen und -hunde hat mich von Anfang an bewegt. Nachdem ich selbst eine verletzte Katze gefunden und versorgt habe, wurde mir klar: Ich reise nicht nur wegen des Essens und der Gastfreundschaft nach Griechenland, sondern auch, um den Tieren vor Ort zu helfen. Ich habe in einem Shelter auf Kreta mitgearbeitet und unterstütze mehrere lokale Vereine und Tierschutzorganisationen von Deutschland aus.
→ Weitere hilfreiche Beiträge über die griechischen Inseln, das Festland sowie Land & Leuten in Griechenland findest du unter:
- Griechische Inseln Übersicht
- Welche griechische Insel passt zu mir?
- Inselhopping Griechenland
- Griechische Küche
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